Jannis goes down under

27Februar
2015

Zyklonen und Lügen

Zwei Blogeinträge im selben Monat, ich werd' ja noch richtig schreibwütig. Aber das is' ja hier um nicht jedem Idioten die gleiche Nachricht zu schreiben.

Also, wenn man sich an den letzten Blogeintrag zurückerinnert, ging es um viel Arbeit und viel Geld. Und es wäre alles so perfekt gewesen, wäre das so weitergegangen. Aber es wäre nicht ich, wenn nach jeder guten Nachricht 'ne schlechte kommen würde, also hatte ich daraufhin 11 Tage frei. Alles fing ganz schön mit zwei Tagen an, dann hat sich der Farmer mal wieder daran erinnert was für ein Arschloch er doch eigentlich ist und uns noch n paar Tage mehr gegeben, dann hat Machines wieder angefangen, aber ich wegen dem Day-Off-Rotationssystems noch 'nen Tag frei bekommen, an dem Gads die Maschine kaputtgefahren hatte und daraufhin gabs weiterhin frei und dann kam der Zyklon. Gut. Dieser eine Tag an dem Machines wieder lief war jedoch genug um herauszufinden dass wir seit viereinhalb Monaten verarscht wurden. Von jedem, der auf dieser Farm arbeitet. Und vor allem von den Koreanern.

Um verständlich zu machen, worum es genau geht, müsste ich jetzt einige Paragraphen über die Theorie des Zitronenpflückens schreiben. Das ist scheiße langweilig, also mach ich das nicht, grob genommen geht es um Arbeitsmöglichkeiten die uns versprochen wurden, die es so aber nicht gibt.

Ich war (und bin) dann natürlich echt angepisst. Und hab jetzt wieder nen neuen Job auf der Farm. Yellowpicking.

Yellowpicking ist das Waldorfschulenequivalent zu normalem Zitronenpflücken. Man pickt nicht mehr nach Größe, Qualität oder sonstigem, sondern nach Farbe. Das ist genauso verdammt leicht wie es sich anhört und wird stündlich bezahlt. Außerdem hat man noch 'nen Aufseher, der aufpasst, dass man sich nicht überarbeitet und einen unter den Bäumen sitzen lässt, wenn keiner zusieht. Ich fühl' mich jetzt zwar wie ein geistig behinderter Viertklässler, der auf Dinge zeigen soll und dabei die Farbe sagt, aber hoffentlich bald wie ein schuldenfreier geistig behinderter Viertklässler. 

Zum Zyklon:

Australien wurde letzte Woche von zwei Zyklonen gleichzeitig vergewüstet. Einer oben in Darwin, und der andere hat schön die Ostküste nördlich von Bundaberg getroffen, dann einen großen Bogen um uns rumgemacht und hat dann schließlich in Brisbane aufgehört. Ich bin also noch am Leben.    Offensichtlich.

Cheers

12Februar
2015

iMule

Es ist eigentlich ja Schwachsinn, momentan zu bloggen. Ich mein, ich sitz' hier jetzt schon seit Monaten mit kaum Neuigkeiten fest und schreib' über meinen Alltag. Und letzterer ist auch noch so nährstoffarm, dass ich genausogut wieder anfangen könnte Facebook-Posts zu machen. Aber gut, da laut Besucherzähler immernoch Leute mitlesen, verschwende ich mal ein wenig Energie damit, die Ereignisse der letzten Wochen zu veröffentlichen.

Fast jeder ist durchgedreht.

Zuallererst hat es den Farmer erwischt. Der wollte trotz Regens mehr Zitronen und hat deswegen erstmal die Maschinen mit Leuten geflutet. Das endete mehr oder weniger in einer Katastrophe, deswegen hat er dann beschlossen Nachtschichten für uns einzuführen. Jetzt muss man wissen, dass es nachts auf 'ner Zitronenfarm dunkel wird. Und im dunkeln ist es echt schwer, jede Zitrone aus dem Baum zu pflücken.

Daraufhin hat es unseren Maschinenfahrer erwischt. Der stand dann da und hat uns wegen den ganzen vergessenen Zitronen in den Bäumen angeschrien, sein imaginäres Handtuch gen Boden geschmettert und die Farm auf Neveragainsee verlassen. 

Dann muss es ziemlich viele erwischt haben, denn aufgrund Kompetenzknappheit wurden dann Gads und ich zu Maschinenfahrern erwählt. Jetzt darf ich den ganzen Tag meine eigene Sklaventruppe rumscheuchen und bekomm ätzende Chemikalien ins Gesicht gespritzt. Hört sich super an, ist allerdings viel komplizierter und frustrierender als es auf den ersten Moment scheint, außerdem lösen sich meine Hände so langsam auf und ich werde nachts immernoch schweißgebadet wach, weil ich von Zitronen träume.

Dann ist einer meiner Lieblingsjapaner durchgedreht, also, meines Wissens nach zuerst seine (Ex-)Freundin, dann die Freundin von der Freundin, die dann ihn angeschrien hat, woraufhin er der Freundin seiner Freundin die Nase eindreschen wollte, woraufhin wir alle versucht haben, ihn zurückzuhalten und dann kam die Polizei mal wieder.

Dann ist der Hostelboss durchgedreht und hat angefangen die Rezeptionistin aus irgendeinem Grund zu beleidigen, weshalb die jetzt auch abgehauen ist.

Dann sind ein paar Leute aufgrund pleite durchgedreht und haben das Hostel ohne zu bezahlen verlassen.

Dann ist Mr Huan deswegen durchgedreht und bezahlt jetzt random Leute nichtmehr, um das Geld wieder reinzuholen, weil sein Boss sonst durchdreht.

Der einzige Grund, warum ich in dem ganzen Sauhaufen hier noch nicht durchgedreht bin, ist, dass ich garkeine Zeit hab'. Ich bin nämlich hart am Arbeiten, 13h pro Tag. Im Schnitt hab ich alle 10 Tage mal nen Tag frei, wie heute, aber generell gibt's für mich momentan echt nichts anderes als den Weg zur Farm und zum nächsten Supermarkt. Es gibt dann Tage an denen man nicht duscht oder isst, einfach weil keine Zeit und Energie dafür da ist und jede Unregelmäßigkeit (wie das Liegenblieben deines Arbeitsautos aufgrund eines Lecks im Kühlungssystem, weswegen man sich von Greg anschreien lassen darf, was für ein unverantwortliches Arschloch man doch ist, dass man nicht weiß, dass ein Leck da ist, was man an der Anzeige sehen könnte, die nicht mehr funktioniert, oder zumindest an der Kühlerlampe, welche ebenfalls kaputt ist) ähm, jede Unregelmäßigkeit einem kostbare Stunden an Schlaf kostet und für die nächsten Tage zerstört.

Worauf ich eigentlich hinauswollte, ich mach' immernoch nichts anderes als Arbeiten. Manchmal sogar fair bezahlt, sodass ich in der momentanen Situation, bei 7 Tage die Woche auf ca 1750 Tacken die Woche kommen KANN. Und dann vielleicht irgendwann mal Geld hab' dass ich Erichnaddelklaus zurückgeben kann. Wenigstens schulde ich dem Hostel kein Geld mehr.

Ich weiß auch nicht, wie ich die Quintessenz dieses Eintrags hier weiter ausschmücken könnte. 

Cheers!

19Januar
2015

OMG IMMERNOCH IN BUNDABERG

Es wäre schön, könnte ich behaupten dass Neujahr so krank gewesen wäre wie Weihnachten. War's leider nicht, deswegen kann ich nicht viel darüber erzählen.

Viel interessanter dagegen ist die Tatsache, dass mich seit dem letzten Blogeintrag NIEMAND versucht hat irgendwo rauszuschmeissen! Ganz im Gegenteil, so langsam kann ich behaupten hier endlich mal 'nen Fuß auf dem Boden zu haben.

Ich bin ich wieder Fahrer, weil das Hostel jemanden braucht der fährt, wenn Gadsby (einer der Briten die rausgeschmissen wurden, er dann aber wieder vom Hostel zurückgerufen wurde, dann wieder gefeuert wurde und mittlerweile wieder eingestellt ist, außerdem einer der sympathischeren Menschen in Bundaberg und vollzeitgesteint) seinen Day off hat. Irgendwie hab ich's dann vergessen die Schlüssel zurückzugeben und darf jetzt wieder jeden Morgen um halb 5 aufstehen um meine Korea-Crew aus den Betten und aufs Feld zu scheuchen.

Deren Vertrauen hab' ich mittlerweile auch voll und ganz gewonnen. Mein Besitzer, Mr Huan hat mir aus diesem Grund auch meinen Pass wiedergegeben und mittlerweile fühle ich mich schon wieder fast wie ein richtiger Mensch. Gut, ein richtiger Mensch, der jeden Tag 12h in der prallen Sonne (und die Sonne ist hier verdammt prall) arbeitet und dabei 1249895 Zitronen pflückt. Das sind übrigens genau 1249895 Zitronen mehr, als der Durchschnittsmensch am Tag pfückt.

Die Ursache dafür liegt wahrscheinlich darin, dass ich meine Mietschulden fast ganz zurückbezahlt hab', und wenn der euphemisierte Cashflow so weitergeht, kann ich Bundaberg dieses Jahr auch noch verlassen. Aber immerhin kommt Geld rein.

Auf der Arbeit hat sich nämlich auch so einiges verändert, seit ich angefangen hab'. Zum einen bin ich heftig am aussortieren, wen und wen ich nicht in meinem Team haben will. Wäre eigentlich die Aufgabe vom Maschinenfahrer, aber der hat nicht die Schrittfüllung dazu, als muss ich da ran und dann wird heftig verhandelt und angeschwärzt und sich eigentlich recht hinterfhustig verhalten, bis das Team solide wird. Aber hey, hier gehts um mein Geld und wenn man sein Geld mit dem faulen Linh teilen muss, dann muss jemand dafür sorgen, dass der faule Linh morgen im Hostel bleibt.

Irgendwann hatte ich's dann auch geschafft, mir ein ein Sieben-Mann-Durchschnittlich-Zweihundert-Dollar-Pro-Tag-Team zusammenzupolemisieren, da ging auch schon 'ne andere Maschine kaputt, ein drittel aller Teams wurde gefeuert, worauf auch noch Massenkündigungen folgten und jetzt sind die einzigen, die noch aus meiner Alphagruppe vorhanden sind, Gads und ich. Welche übrigens, laut, und das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, dem Hinterwäldler-Supervisor Trevor, so ziemlich zu den besten Arbeitern auf der Farm gehören. Letzterer himmelt uns halbwegs an, zum Beispiel geht er nach jeder Gruppenstandpauke zu uns und meint, dass das natürlich nicht an uns gerichtet ist, er weiß ja was für einen perfekten Job wir machen würden. Und das ist die Wahrheit, schließlich kommts oft genug vor, dass Gads und ich auf der einen Seite der Reihe arbeiten und 4 unserer Kollegen mit dem Fahrer auf der anderen Seite Probleme haben mitzuhalten. Wer hätte gedacht, dass die eine Sache, in der ich mal gut bin, Lemonpicking ist.

Eigentlich sollte man meinen, dass Arbeiten jetzt erträglicher wäre. Leider bleibt jetzt aber, abgesehen davon, dass ich mich mit 5 Neulingen rumschlagen darf, die weder Erfahrung noch teilweise Englischkenntnisse haben, der Regen aus und Bundaberg wird von 'ner unerträglichen Hitzewelle heimgesucht. So unerträglich, dass wir neben unserer Mittagspause jetzt sogar noch 'ne zweite Nachmittagspause bekommen, weil die Maschinen sonst überhitzen würden. Und so unerträglich, dass man trotz seines Day offs um 7 aufwacht, weil es zu heiss zum schlafen ist. Aber ich will mich nicht beschweren, schließlich werde ich schön braun.

Da fällt mir noch 'ne Neuigkeit ein, die Dreads mussten gehen und ich hatte zeitweise 'ne Glatze. Bilder gibt's gegen hohe Bezahlung, in Cash, per Briefsendung.

Jetzt will ich mich noch für die eventuell anwesenden Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler entschuldigen, mein Deutsch verkümmert nämlich stark.

Cheers!

 

26Dezember
2014

Sonnenbrand und Vergiftungserscheinungen

Gut, Neuigkeiten. Ich wurd' mal wieder beinahe rausgeschmissen, war diesmal aber wirklich nicht meine Schuld! Einer meiner Koreanerkollegen, den ich sonst nicht mit dem Auto mitnehme, hat sich beschwert dass ich viel zu schnell fahren würde. Wohlgemerkt derselbe Kerl, der 60 auf 'ner 100er-Landstraße fährt und den ich letztens aus einer Kreuzung raushupen musste, weil er da stillstand. Dann wollte mich der Manager mal wieder feuern lassen, was meinen sofortigen Rausschmiss bewirkt hätte. Gut, immerhin hab' ich jetzt nichtmehr den Ruf der langsamste Fahrer im Hostel zu sein. Oder überhaupt, Fahrer zu sein. Wegen dem Dreckskerl krieg ich das Auto jetzt nicht mehr. Glücklicherweise darf ich ja immernoch privat mit Gregs (Hostelalkoholiker und Mädchen für alles) Auto rumfahren.

Also, Weihnachten: 

Ich hätte echt nicht gedacht, dass unsere große Asiatenfamilie Weihnachten so hart feiert. Hat erstmal damit angefangen, dass ich doch für die Feiertage frei gekriegt hab. Dann hab' ich mir 'ne Flasche Rum gekauft. Und dann gabs Kuchen und ganz viele Fotos und mehr Rum und laute Musik und einer der Asiaten hat sich eingepinkelt und wurde von Briten und Franzosen kollektivgeteabagged und dann hat einer der Franzosen in die Rezeption gepisst und der Manager hat mich beschuldigt und dann war Katsu mal wieder nackt (der Kerl is' aber auch'n verdammter Exhibitionist) und dann bin ich neben der Toilette aufgewacht. Soviel zu den Details.

Am nächsten Tag wurde jedes der Hostelautos besetzt und zum Strand gefahren, mit nem kostenlosen BBQ, Eis und noch mehr Fotos und Sonnenbrand und abends waren die alle schon wieder am Trinken. Weihnachten mitten im Sommer ist echt seltsam. Heute morgen wurde ich dann vom lieblichen Geschreis von Greg geweckt, weil dit ganze Haus aussah wie'n Schlachtfeld. Nicht meine Schuld.

Und jetzt lad ich noch Bilder hoch und dann geh' ich schlafen.

Sollten eigentlich mehr sein, aber irgendwas spinnt.

Frohe Weihnachten, guten Rutsch und Cheers!

20Dezember
2014

Eat sleep work repeat

Haudi, es gibt diesmal richtige Neuigkeiten!

Meine Lieblingsholländerin ist abgehauen. Also, so supertoll war sie jetzt auch nicht, aber halt die einzige Holländerin die ich kenne. Das bedeutet(e) für mich, dass ich alleine weiterarbeiten durfte. Aber nicht lange.

Bei den 35° hier macht sich nämlich bei jedem die Weihnachtsstimmung breit, weswegen mich die Asiaten mal wieder aus dem Hostel schmeissen wollten. Diesmal wirklich nicht Schuld. Das ganze lag eher daran, dass sich zwei Briten beim Hostelbesitzer beschwert hatten, dass wir alle bei der Bezahlung hinten und vorne verarscht werden. Der hat ihnen daraufhin Geld in die Hand gedrückt, ist mit dem gesamten Personal zu ihrem Zimmer gelaufen, hat angefangen das Zeug rauszuräumen und einem seinen Rucksack ins Gesicht getreten. Dann war die Polizei da. Leider ist es anscheinend legal Leuten Rucksäcke ins Gesicht zu treten, also war der Trubel auch schnell wieder vorbei und die beiden Briten aus dem Hostel raus.

Ich hab' jetzt leider den Fehler gemacht mich am nächsten Tag mit einem befreundeten Manager des Hostels darüber zu unterhalten, dass die Situation vielleicht nicht ganz so gut gehandelt wurde. Kurz darauf stand ein winziger, wütender Koreaner vor mir und schrie mich in schlechtem Englisch an, ich würde nicht arbeiten wollen und deswegen jetzt rausgeschmissen. Das hab' ich dem natürlich nicht erlaubt, worauf er mir einen besseren Job und die Schlüssel für den Hostelvan gegeben hat. Jap, ich versteh' die auch nicht.

Mein neuer Job ist immernoch auf der Zitronenfarm mit immernoch der gleichen Bezahlung pro Lemonbin, aber zwölf Stunden am Tag, sieben Tage die Woche und das auch bei Regen. Wir sind 'ne Gruppe von 21 Leuten und teilen uns eine Hälfte der Farm, während die Bagpicker (der Job den ich davor hatte) aus ca 100 Leuten bestehen und sich die andere Hälfte der Farm teilen dürfen. Und das nur, wenn die Sonne scheint. Außerdem fahr ich jeden Morgen mein Team zur Arbeit und wieder zurück, also muss ich auch keinen Transport mehr bezahlen. Es fliesst also endlich mal ein wenig Geld. Seitdem versucht aber ständig ein Hinterwäldlersupervisor namens Trevor uns rauszuschmeißen. Ich würd' echt gerne mal nicht immer gefeuert werden.

Dennoch, 7 Tage die Woche 12 Stunden zu arbeiten ist Scheiße hart. Entweder ist es viel zu heiß, oder (ich würd's ja selbst nicht glauben), wenn es regnet, viel zu kalt. Und wenn beides nicht ist, sind auf einmal zwanzischdausend Moskitos da. Dann kommt man um kurz vor sieben Heim, kauft sich irgendwas zu Essen, was für mich mittlerweile einfach ein Kilo Yogurt täglich ist, duscht sich und legt sich schlafen. Besser gesagt, man versucht zu schlafen, weil vor meinem Bett zwei Franzosen sitzen die bis 12 Uhr nachts Musik laufen lassen. Während ich gegen Bedbugs kämpfe. Vielleicht köpfe ich heute Nacht jemanden.

Gestern ist auch noch mein Lieblingsfranzose abgehauen. Nicht der einzige Franzose den ich kenne, aber wahrscheinlich der einzige, den ich leiden kann. Das ist sehr traurig, weil ich jetzt keinen mehr zum jammen hab. 

Und ich muss noch jemanden in meinem Blog erwähnen. Kieran, ein Brite, der nicht rausgeschmissen wurde, behaart wie ein Schaf ist und vom Hostel richtig viel special treatment kriegt. Sehr netter Mensch, und hat mir vor ein paar Tagen aus Langeweile die Seiten meines Schädels rasiert. 'n Bild kommt irgendwann.

Und jetzt kommt der beste Part.

In Eugenes Hostel war eine Britin. Die wurde von Bedbugs so hart zerf...bissen, dass sie mit 'ner Blutvergiftung im Krankenhaus eingeliefert wurde. Hört sich eigentlich traurig an, aber das hat nicht nur das Gesundheitsamt ins Hostel geschickt, die natürlich total geschockt waren, sondern auch 'nen rieeeesigen Pressewirbel verursacht und jeder weiß jetzt offiziel, was für ein abgrundtief schlechter Mensch Eugene ist. Seine Reaktion darauf? 

Er hat das Hostel verkauft.

Ich kann kaum in Worte fassen, wie sehr ich mich darüber freue. Er hängt zwar immernoch da rum, deswegen weiß keiner ob er weiterhin Manager bleiben wird, aber es macht mich einfach glücklich zu wissen, dass dieser Sack keinen Backpacker mehr verarschen wird. Jetzt wird's nurnoch Zeit für 'ne persönliche Rache. Da fällt mir ein, ich kenn 'nen Kerl der weiß wo er wohnt und hab' noch ein paar Sprühdosen im Auto.

Achja, für die Leute die sich Sorgen gemacht haben, weil ich mich nicht gemeldet hab': Ich hab' einfach keine Zeit und konnte mir heute zum ersten Mal Internet leisten.

Und damit, gute Nacht und frohe Weihnachten und so.
Cheers!

 

20November
2014

Over and over and over again

Wie ich hier in Australien gelernt habe, kommt nach jeder Höhe Tiefe eine tiefere Tiefe.

Die Zitronenernte ist nicht so ertragreich wie gedacht. Also, für die Farmer schon, für uns Arbeiter weniger. Man kommt zwar noch auf die ca 100$ pro Tag und es ist weitaus leichter und angenehmer als die meiste Farmarbeit, außerdem würden wir theoretisch ja 7 Tage die Woche arbeiten, aber leider machen uns da Regen und Pestizide nen ziemlichen Strich durch die Rechnung. Soll heissen, wir haben viel zu viel frei. Und verlieren damit entsprechend viel Geld. Außerdem ist unser Privatauto verlorengegangen. Einfach verloren. Keiner weiß, wo's ist. Asiaten.

Zum Job selbst:

Man füllt Container mit Zitronen. Die pflückt man mit und ohne Leite aus den Bäumen. Pro Container gibt's 180$, die man sich mit seinem Partner teilt. Zitronenbäume sind voll mit Stacheln und Zitronensäure, sodass meine Unterarme jetzt denen eines Teenagers in der Screamo-Phase gleichen. Mein Partner war Marco, ein 30-jähriger, fauler und ständig schnorrender Italiener, der kaum ein Wort englisch spricht und es geschafft hat, mir so auf dem Phallus zu flanieren, dass ich ihn gegen eine weitaus fleißigere und weitaus netter anzusehende Holländerin tauschen musste. Großartig viel mehr Geld mach' ich damit zwar auch nicht, aber es ist wesentlich unterhaltsamer und die Chancen, dass ich gefeuert werde, sind niedriger. War nämlich schon wieder kurz davor. Nicht meine Schuld.

Durch die Regensaison und das geniale Timing von Pestizidsprühen konnten wir jetzt die letzte Woche nicht arbeiten, und da Geld wenig ist, gibt's wieder Tagelöhnerarbeit. Verdammt schlecht bezahlte Tagelöhnerarbeit. Dabei möchte ich gleich mal jedem davon abraten, nochmals in seinem Leben Cherrytomaten zu kaufen. 7 Stunden Arbeit für insgesamt 20$. Minus 7$ für die Fahrt dahin.

Also, schon wieder kein Geld, viel zu wenig Arbeit und das einzige, was zu tun ist, ist überleben.

Gut, keine Lust mehr zu schreiben,

Cheers!

 

 

26Oktober
2014

Equilibrium universi

Irgendwo hab' ich ja immer an das Gleichgewicht des Universums geglaubt, und so langsam scheint es sich zu zeigen.

Nachdem ich die letzte Zeit ja härter im Arsch war als der durchschnittliche Kölner Samstagabends (ich sollte echt anfangen, an meinen Vergleichen zu arbeiten), und ich von den lieblichen Asiaten aufgenommen wurde und mein bestes getan hab', mal nicht... mit der Polizei zu tun zu haben oder sonstige Schweinereien anzustellen, und es geschafft habe, 'ne Woche lang von 2,35$ zu leben, wurde mir auch mal wieder ein Farmjob zugeteilt! Außerdem hat Eugene eine 600$ Wifi-Rechnung bekommen, weil er nicht weiss, wie man das Wifi-Passwort ändert!

YEY!

Auberginenernte. Ich mag Auberginen nicht, und die mögen mich genausowenig. Ebenso wie der Farmer. "Adam", Mitte 40, sitzt den ganzen Tag auf seinem Traktor und schreit uns an. Je lauter er wird, desto höher wird auch seine Stimme und desto schlimmer sein Wortschatz. Man kann sich also vorstellen, wie stark die Arbeitsmoral sinkt, wenn man von nem fetten Kerl rumkommandiert wird, der wie ein 10jähriges Mädchen mit Tourettesyndrom klingt. Ihren Tiefpunkt hat sie aber gefunden, nachdem das erste Gehalt ankam. Umgerechnet 5$ pro Stunde. Da das noch nichtmal genug ist, die Miete zu bezahlen, sind also regelmäßig Leute ausgefallen. Am Freitag dann so viele, dass die Farm den Vertrag mit dem Hostel gekündigt hat, unser Fahrer, ein netter Alkoholiker namens Greg, total ausgerastet ist und zwei Kollegen aus Estland und mir der Rauswurf aus dem Hostel bevorstand.

Glücklicherweise haben die Bosse des Hostels lauter Kommunikationsprobleme, sodass irgendwann jeder durcheinandergeredet hat, und wir mit 'nem blauen Auge davongekommen sind. Blaues Auge soll heissen, wir wurden als Strafe dazu verdonnert, Geschirr zu spülen und erst wieder Jobs zu bekommen, wenn alle anderen einen hätten.

Was der eine jetzt als Strafe empfindet gab uns eine Möglichkeit, den ganzen Spiess wieder umzudrehen. Nach 20 Minuten Arbeit sah die Küche perfekt aus, die Boden im Hostel waren geschrubbt und jeder Hostelmitarbeiter fing ans uns zu lieben wie seinen eigenen Sohn. Was teilweise auch echt creepy war, aber dadurch sind wir auf der Jobliste wieder ganz nach oben gewandert (was uns verdammt gut bezahlte Jobs auf einer Zitronenfarm eingebracht hat) und haben ein eigenes Auto zur Verfügung bestellt bekommen um damit zur Arbeit zu fahren. Oder zum nächsten McDonalds.

Ansonsten besteht mein Leben hier aus Lesen, Zocken und Jammen mit Toto und Dennis. Schlafen macht immernoch keinen Spaß, nachdem ich dachte, ich hätte die Bettwanzeninfektion im Auto überstanden, sind neue geschlüpft und jetzt fühl' ich mich jede Nacht wie Eric Clapton auf Cold Turkey, außerdem fährt jede Freitagnacht ein Kerl mit Fahrrad auf dem Parkplatz rum und schreit irgendjemand Imaginären an, dass er ihn umbringen wird. Und manchmal versucht der Methjunkie um die Ecke, mir mein Auto für lächerlich wenig abzukaufen. Aber glücklicherweise hab' ich ne Machete und viel mehr Lebensfrohsinn als die Wochen davor.

Also, Cheers!

09Oktober
2014

Man of constant sorrow #2

Wenn man irgendwann mal denken sollte, "schlimmer kann es ja eigentlich nicht kommen", sollte man sich darauf gefasst machen, dass das Universum weit ausholt und einem direkt in die Fresse tritt.

Also, Eric und Klaus sind grad seit Samstag auf ihrem Weg in Richtung Geschl... South Australia. Als sie das am Mittwoch dem Farmer erzählt haben, hat der die natürlich gefeuert. Aus irgendwelchen Gründen unterlag der arme Eugene der Annahme, dass ich auch abhauen würde und erzählte das meinem Farmer, der mich daraufhin natürlich auch gefeuert hat. Da ich gefeuert wurde, hat Eugene es nichtmehr eingesehen mir einen Job in seinem wunderschönen Drecksloch zu besorgen, also bin ich dann Samstag auch wirklich ausgecheckt. Und zwar, wegen Geld-, Arbeits- und Wohnungsnot erstmal in den Park vorm Hostel. Also, im Auto natürlich.

Vorgestern Abend, nachdem ich den halben Tag mit ehemaligen Hostelbewohnern im Park gejammt hatte, kommt dieser liebenswürdige, verständnisvolle Mensch auf mich zugerollt und frägt mich auf sehr höfliche Manier, ob ich denn im Auto genächtigt hätte. Sehr höflich bejahte ich das. Daraufhin entstand eine angeregte Diskussion, die darin endete, dass er damit drohte Nadja aus dem Hostel rauszuwerfen, die Polizei rief und dann abgehauen ist.

Die Polizei war ebenso gut gelaunt und nett wie Eugene selbst, und empfahl mir, das Auto schnellstmöglichst umzuparken, oder es wird abgeschleppt. Der nächste Parkplatz war vor dem Hostel, in dem ich jetzt wohne, ungefähr einmal über die Straße. In dieser Strecke sahen es dieselben Polizisten für nötig, mir beim umparken eine 270$ Strafe für das Fahren eines unregistrierten Autos zu geben. Unsere Regio ist nämlich seit dem 13ten abgelaufen.

Es macht mich traurig, dass es keinen hier in Bundaberg interessiert, wie Eugene Backpacker am laufenden Band verarscht und abzieht. Die Hostelbewohner haben nur Hass für ihn übrig, auf jedem Tisch den man in 200m Umkreis finden kann sind Hassparolen über ihn geschrieben und die offizielle "Fuck Eugene"-Facebookgruppe ist mittlerweile bei über 370 Mitgliedern. Diese Gruppe wurde einigen hier übrigens von der Polizei empfohlen, nachdem die versucht haben sich zu wehren. 

Nadja haut wieder nach Deutschland ab, weil sie es sich nichtmehr leisten kann (dank Eugene) in dem Hostel zu bleiben. Yeah.

Bundaberg war ein riesiger Fehler, und wir hätten niemals hier herkommen sollen. Niemand sollte jemals dort hinkommen.

Das einzige was mir noch bleibt, außer einem Auto dass ich zu verkaufen suche und einem relativ hohen Schuldenberg, ist, darauf zu hoffen, dass ich 'nen Platz auf der gleichen Farm wie ein ehemaliger Hostelkollege aus Dänemark bekomme. Wenn nicht... Keine Ahnung.

Cheers!

20Sept
2014

Bundaberg-Backpackers-Blues

Selbst der beste Roadtrip der Welt muss mal zu Ende gehen - und ist es auch. Leider.

Denn wir, also mittlerweile nurnoch Klaus, Eric, Nadja und ich (weil die beiden Aussies zum Arbeiten nach Südaustralien abgehauen sind ((man munkelt, dass Sam nach den 5 Wochen Beziehung mit Eric eine 3-monatige Beziehungspause gefordert hat))), also, wir, sind nach den ca 2 Monate broke as fuck. Nicht, dass das was neues wäre, aber mittlerweile können wir uns nichtmal mehr gegenseitig Geld leihen um Benzin zu bezahlen. Was läge da näher als welches zu verdienen?

Da die andern alle relativ talentlos sind und wir Nadja nicht zwangsprostituieren wollten, haben wir uns also verzweifelt auf die Suche nach Jobs gemacht, am liebsten Farm Jobs, die einen für's second year visa qualifizieren. Und sind relativ schnell "fündig" geworden. Ein Working Hostel in Bundaberg, einem 60dausendeinwohnerort, der hauptsächlich... aus Working Hostels besteht. Garantiert wurden uns viele Jobs sobald wir ankommen und ganz viel Geld, ein glückliches Leben und, hätte man weitergeredet, wahrscheinlich noch die Heilung für Ebola und Tequilashots.

"Working Hostel" ist das englische Wort für "Keinnormalermenschwürdefürdiescheissebezahlen". Aber zuerst zu den positiven Seiten: Wir haben ein Dach über'm Kopf, Strom, und (zumindest teilweise) Jobs.

Als wir in Bundaberg angekommen sind, empfing uns ein älterer, untersetzter Engländer, der mit überzogen höflicher Geschäftsmanier über sein schönes Hostel und die "fremdenfeindlichen, beschränkten Australier" philosophierte. Alles super, bis das Geld den Besitzer wechselte und man sich sein Zimmer ansah. Zimmer ist grob gesehen ein Euphemismus, Zelle träfe es eher. 2 Hochbetten, ein Gebilde aus Brettern, das leicht an eine Kommode erinnert, ein Rauchmelder und ein Fenster, das man nicht öffnen kann. Glücklicherweise hat es einen fingergroßen Spalt in der Mitte, durch den frische Luft und Insekten reinkommen können. Die Insektenvielfalt in den Räumen ist überragend, hier hat man nämlich neben den Kakerlaken noch verschiedene Arten von Ameisen und Bettwanzen. Bei letzteren haben wir noch Glück, denn von anderen Hostelbewohnern hört man einen weitaus invasiveren Befall. An die kleinen Krabbeltierchen hat man sich jedoch relativ schnell gewöhnt, ebenso an den Feueralarm, der unübertrieben mindestens 5mal pro Tag losgeht. Und pro Nacht.

Die Regeln im Hostel sind strikt und einfach:

Wenn du Alkohol trinkst, fliegst du raus.

Wenn du drinnen oder auf dem Balkon rauchst, fliegst du raus.

Wenn du einen Job nicht wahrnehmen willst, fliegst du raus.

Wenn du dich beschwerst, fliegst du raus.

Wenn du dich mit anderen Backpackern über das Hostel unterhälst, fliegst du raus.

Wenn du nachts betrunken in dein Zimmer stolperst und anfängst in die Ecke zu urinieren (und ja, das war der Fall, zwei Zimmer weiter), fliegst du raus.

Die Regeln im Hostel, wenn der Hostelbesitzer Eugene nicht da ist, also immer, ausser zwischen 9-11 und 3-5 Uhr, sind noch strikter und noch einfacher:

-

Die Jobs die man in Bundaberg kriegt sind ausschliesslich Farmjobs. Laut Eugene "no contract work at all and everythings 21$/h". Wie so vieles, war das schlichtweg false advertising. Denn das erste, was uns unser Farmer sagte war:"You know guys, everything here is contract work".

'ne günstigere Alternative als ein Working Hostel gibt's auch nicht, weil die Farmer keinen außerhalb dieser anstellen, außerdem können wir es uns eh nicht leisten, auszuchecken. Scheiß Mafia.

Der neue Job von Eric, Klaus und mir also: Tomato wiring.

Wir bekamen diesen Job nach einer Woche in dem Hostel. Man steht um 4:30 auf, um um kurz nach 5 schlaftrunken in einen Bus zu stolpern, der einen kostenlos zur Farm fährt (was bei 210$ die Woche zumindest zu erwarten ist). Gegen viertel vor 6 fängt die Arbeit an: Drähte um Drähte um Pfosten wickeln. Pro Pfosten 8ct, wegen dem anfänglichen Wachsen der Tomatenpflanzen knapp über dem Boden; für 80$ muss man sich also mindestens 1000 mal Bücken. Ohne Schatten, bei zeitweise 29 Grad.

Das hört sich verdammt hart an, was es anfangs auch war. Anfangs waren wir auch noch 6 Leute, wir drei Deutschen, ein Franzose namens Etienne, oder Toto, was schwuler klingt, und 2 Estländer. Die beiden Estländer wurden wegen ungenauen und langsamen Arbeitens relativ schnell gefeuert, was nurnoch uns 4 übrig lässt. Und wir 4 sind mittlerweile echt gut, und umgerechnet bei 27$/h angekommen. Es ist zwar ätzend, wieder arbeiten zu müssen, aber es fühlt sich auch echt gut an, sich für 'ne gescheite Bezahlung den Rücken krumm zu schuften.

Leider wachsen die Tomatenpflanzen am Anfang nicht so schnell wie erwartet, deswegen hatten wir nach einer Woche Arbeit die nächste Woche frei, was sich allerdings ab nächster Woche hoffentlich ändern wird. Denn bis jetzt reicht das Geld immernoch nur bis zur nächsten Miete und vielleicht ein bisschen Essen zwischendurch.

Um dem entgegenzuwirken haben wir versucht auf einer Cherrytomatenfarm als Fruitpicker zu arbeiten, was eine schlechte Idee war, denn neben den... unfreundlichen... Vorarbeitern muss man sich noch einen umgerechneten Stundenlohn von 4$ geben. Gut, also keine Cherrytomatenfarm.

Nadja hatte noch nicht so viel Glück mit den Jobs und konnte bisher nur selten arbeiten, dieses arme kleine Ding.

In unserer Freizeit fahren wir manchmal an einen winzigen, menschenleeren Strand, den wir mal gefunden haben und lassen das kalte Wasser gegen den Muskelkater wirken. Oder schlafen, was gegen den Sonnenstich wirkt. Oder pinkeln uns unter der Dusche auf die Hände, was gegen die Blasen wirkt.

Mehr jibbet nösch, weil in Bundaberg echt nichts los ist. Eric und Klaus fahren vielleicht bald ihren Geschlechtsinteressenpartnern hinterher, falls das der Fall ist, müssen wir das Auto loswerden.

Bis dahin,

Cheers (oh, ich vergas, hier ist ja garkein Alkohol erlaubt)

 

 

 

18August
2014

Men of constant sorrow

Tut mir Leid, dass der letzte Blogeintrag so weit zurückliegt.

Um da anzuknüpfen, wo ich aufgehört habe: Eric und Jannis hatten also den perfekten Job. Es gab keine Anstrengung, lange Pausen, gute Bezahlung und sogar nette Mitarbeiter. Es war so schrecklich, dass wir so schnell wie möglich gefeuert werden mussten.

Gefeuert zu werden war allerdings härtere Arbeit als wir in dem Job eigentlich leisteten. Natürlich hätte man auch einfach kündigen können, aber hey – wer würde diesen Job freiwillig kündigen?

Also machten wir das, was wir am besten konnten: Scheisse bauen und uns dabei so oft wie möglich erwischen lassen.

Warum wir dann im Endeffekt entlassen wurden, ist nicht sicher. Entweder lag es an den Kämpfen mit Staubsaugerartikeln, die teurer sind als irgendwas, was wir hier besitzen, dem Rumwerfen von Paketen, Briefe an Kunden, die in die Pakete gesteckt wurden, welche dann mit kryptischen Symbolen verziert wurden, dem endlosen Überziehen von Pausen, der generell täglichen Verspätung oder dem öfteren Daheimbleiben statt Arbeiten. Entlassen wurden wir dann am 31.6.

Weil wir jetzt nichtmehr von so unnötigem Zeugs wie Geldverdienen gestört wurden, hatten wir genug Zeit eben dieses in den Van zu stecken.

Falls jemand schonmal versucht hat Ersatzteile für einen Toyota Lite Ace als High Roof Version zu finden, oder vor hat sich das als Hobby zuzulegen: Es gibt keine.

Das hält die ganzen Schrottplatzbesitzer natürlich nicht davon ab, dennoch Zusagen zu geben, woraufhin man stundenlang ohne Seitenspiegel durch das verkackte Strassensystem der Suburbs fährt, nur um sich dann doch nur persönlich seine Absage abzuholen. Und das ganze dann wieder zurückzufahren.

Trotzdem haben wir's irgendwie geschafft, das Auto aufzubessern. Wir haben jetzt wieder einen funktionierenden Seitenspiegel für die rechte Seite, die Scheibenwischer gehen wieder (zumindest die der Frontscheibe), der Motor ist wieder richtig eingestellt, die Zündkerzen erneuert und Tigerfellpolster und Vorhänge die wie altes Zeug aussehen eingebaut. Ausserdem hab' ich 'ne zweite Batterie eingebaut, die während der Fahrt von der ersten geladen wird und uns so beim Campen Strom gibt. Da allerdings keiner von uns Elektriker ist, funktioniert das ganze noch nicht so wie ich mir das vorgestellt hab und die Chance dass uns das Ganze um die Ohren fliegt ist relativ hoch. Glücklicherweise ist in dem Auto auch alles leicht entzündlich.

Und wir haben es geschafft ein Roof Rack mit Cage für das Teil zu kriegen, gebraucht, was ungefähr so selten ist wie ein Sechser im Lotto während man von einem Blitz getroffen wird in einer Höhle.

 

Da Nadjas Chef das größte Arschloch ist, das man sich vorstellen kann, mussten wir noch warten, bis sie endlich entlassen wurde. Das war laut ihrem Schwarzarbeit-Arbeitsvertrag nach unseren ganzen Umbauten noch ungefähr eine Woche. Da wir jetzt auch nichtsmehr zu tun hatten und Eric auch aus dem Hostel ausgecheckt war, in dem er immernoch schlief, allerdings tagsüber nichtmehr rumhängen konnte, konnte er mir jetzt die ganze Zeit im Van auf die Nerven gehen. Wenn ihm das zu langweilig wurde, hat er sich von Michael mal wieder aus dem Hostel rausschmeissen lassen.

Objektiv betrachtet hatten wir garkeine andere Wahl, als vor dem Hostel herumzuschmarotzern. Da Michael das wusste, hat er uns auch großzügig angeboten, für 10$pP die Nacht auf dem Parkplatz zu schlafen. Das hatten wir natürlich auch angenommen und hätten es auch bezahlt, dazu kam es nur leider nie. Denn eines Morgens entschloss sich unser Lieblingstrunkenbold dazu, dass es diesen Deal niemals gegeben hätte und uns mal wieder einen Platzverweis aufgedrückt. Leider mussten wir dennoch regelmäßig ins Hostel zurück, zum einen zum Duschen, zum anderen, weil Eric keine Hose anhatte. Vielleicht war es nicht die beste Idee, dass es zwei Nächte vor unserer Abfahrt eine Überraschungsparty im Hostel für uns gab, veranstaltet von Leuten die nicht im Hostel wohnten und zu der wir sogar zu spät waren. Ich schätze, er ist irgendwann morgens über eins der „Nadja, Eric und Jannis“-Schilder gestolpert und hat sich dann entschieden dass das so nicht weitergehen konnte. Oder es lag daran, dass wir ihm am Tag davor seinen Privatparkplatz klauen wollten.

Wie man also Hausverbot in einer ganzen Suburb bekommt:

Ich wachte also auf, weil zwei Polizisten an mein Autofenster klopften. Hinter ihnen ein übergewichtiges, schadenfrohes und wahrscheinlich betrunkenes Etwas, welches Hasstiraden gegen mich grölte.

Die Polizisten, ein bulliger, autoritärer Glatzkopf und sein Gehilfe, dessen Fragen ich mit bestem Willen ignorieren konnte, versuchten mir unerlaubtes Betreten, Diebstahl, Besitz von gestohlenem Zeugs und einige kleinere Vergehen anzuhängen, wobei ich echt nur bei unerlaubtem Betreten schmutzige Finger hab'. Ich bin kein Dieb. Im Gegenteil, ich wurde beklaut, in eben jenem Moment, vor den Augen der Polizei. Zum einen wurden mir einige Stunden meines wohlverdienten Schlafes gestohlen, sowie ein Kissen, eine Decke und eine Schaummatratze, welche in dem Hostel garnicht verwendet wird. Ob das Kissen und die Decke jetzt wirklich zum Hostel gehört haben weiss ich nicht, uns wurde das nunmal mit der Karre verkauft. Als ich versuchte dagegen zu protestieren, meinten die Polizisten einfach nur, dass ich das lieber über mich ergehen lasse, ansonsten würden sie das Auto durchsuchen und da ich Angst um unsere verbleibenden Kissen und die letzte Matratze hatte, hielt ich meinen Mund und hörte mir meine Möglichkeiten an. Eine wäre gewesen, es gerichtlich auszutragen, was uns allen nur Stress und Kosten bereiten würde, oder so schnell wie möglich aus Cronulla abzuhauen und nie mehr wiederzukommen.

Abgehauen sind wir dann auch, einen Tag später, zusammen mit Klaus, ein Kölner, der einen großen Pajero mit zu kleinem Motor fährt.

Nach 2 Stunden hatten wir die ersten 30 Kilometer aus Sydney rausgeschafft und sind abends in Seal Rocks angekommen. Der letzte Part der Strecke war der Horror. Dunkelheit, strömender Regen auf einer Gravel Road mitten im Nirgendwo, voller Schlaglöcher und der Tank fast leer. Dafür zum Frühstück Schwimmen gehen und endlich aus Sydney raus sein.

Daaaann ist ganz viel passiert. Eher gesagt hab' ich weder Zeit noch Lust zu schreiben grad.

Nächster Halt: Coffs Harbour.

Eine Flasche Rum und 5 Stunden Autofahrt danach:

Byron Bay.

Byron Bay rühmt sich damit, der wohl individualistischste Ort Australiens zu sein und ohne Ampeln und internationale Fastfoodketten zu funktionieren. Gut, wenn man da reinkommt ist man auch erstmal geschockt von dem Übermaß an Hippies und Straßenmusikern, allerdings fällt einem auch relativ schnell auf dass 90% davon Touris sind, die sich mal schnell das dritte Auge auf die 4 Kilo Makeup haben klatschen lassen. Fastfoodketten, zu mindest Subway und Domino's haben wir auch gefunden, und Autofahren durch Byron macht auch keinen Spaß, weil statt einer Ampel dann halt an jeder Ecke ein scheiß Kreisel gebaut wurde.

Für unsere erste Nacht haben wir uns vor der „Art Factory“ platziert, dem wohl berühmtesten Hostel hier in der Umgebung. Das Teil ist riesig, voll mit Hippies und direkt neben 'ner Brauerei. Die ist nicht so riesig, dafür voller mit mehr Hippies die auch definitiv mehr durch Substanzen am Leben gehalten werden. Das Beste: Die erste warme Dusche seit Tagen.

Dann: Nimbin.

Nimbin liegt ungefähr anderthalb Stunden außerhalb von Byron und wird unter Backpackern jedem empfohlen, der nicht gerne Tabak raucht. Das ganze Dorf ist eigentlich nur gebaut worden, um einen Platz in Nsw zu haben, an dem Graskaufen weniger illegal ist als sonst wo – und Gras gibt’s da en masse. Wer mich kennt, weiß natürlich, dass ich sowas nicht mache, und das hat sich trotz meines Aufenthalts in der Constant-Hotbox YHA Cronulla auch nicht geändert. Trotzdem lohnt es sich, sich mal richtige Hippies anzuschauen und alle 2 Schritte angesprochen zu werden ob man was kaufen will. Trotz des Harmonie-Liebe-Gras-Schwachsinns merkt man auch unterschwellig, dass da was ganz anderes hintersteckt, denn zwischen den ganzen alten Leuten mit Rastas findet man auch wannabegefährlich aussehende Jungdealer, die, laut Aussagen der alten Leute mit Rastas, industriell hergestellte Hydroscheisse verkaufen.

Neben Geschäften wie „Bringabong“, „The Hemp Embassy“ usw. gibt es in Nimbin ein Museum, welches sich hauptsächlich auf antisoziale Legalisierungspropaganda mit Aussagen wie „wir fühlen uns wie die Juden 1941 in Deutschland“ beschränkt. Beziehungsweise gab, denn mittlerweile ist Nimbin halb abgebrannt. Gerade 2 Tage nach unserem letzten Besuch. Man erzählt sich, dass die grüne Rauchwolke gerade noch in Richtung Westen zieht, und ganze Dörfer auf der Strecke nun stoned sind.

 

Genug darüber, ich will auch noch irgendwann 'nen Job finden.

 

Zurück in Byron haben wir uns auf einem Campingplatz angesiedelt, dessen Rezeptionistin wohl auch grad ihren Großeinkauf aus Nimbin gefrühstückt hatte. Hier haben wir uns auch mit Emma und Sam wiedergetroffen, zwei australische Schwestern, die in ihrem Van rumreisen und die wir damals in Cronulla kennengelernt haben. Mit denen haben wir uns dann auf den Weg zu unserem nächsten Ziel gemacht: Lightning Ridge. Hauptsächlich auch, weil wir vor unserem Alkoholikernachbarn Rob flüchten mussten.

Von Byron Bay nach Lightning Ridge fährt man ca 750km Richtung Outback. Da wir mittlerweile eine kleine Kolonne aus 3 Autos waren und das langsamste Auto nach vorne kam, waren wir langsamer als erwartet und haben für die Strecke ungefähr zweieinhalb Tage gebraucht.

Warum wir nach Lightning Ridge gefahren sind: Als Eric und ich die Zündkerzen von unserm Van reparieren gelassen haben, hat uns ein Mechaniker diesen Namen auf einen Zettel geschrieben und unauffällig zugesteckt.

Orte im Outback haben eins gemeinsam: Sie sind voll von alten Menschen mit Cowboyhüten und man versteht kein Wort, was zu einem gesagt wird. Jeder zweite Autofahrer ist betrunken oder ein Truckie oder beides und die Straßen sind voll mit Roadkill. Und an den Straßen stehen beruhigende Schilder wie „Come home alive“, „don't die on this drive“ oder „the lord is near“.

Auf dem Weg dahin haben wir auch unser erstes Kängaroo gesehen: Tot. Und noch ungefähr hundertzwanzischdausend andere tote, bevor wir unser erstes Lebendes gesehen haben.

Gut, Lightning Ridge:

Opale und heiße Quellen. Mehr gibt’s da eigentlich nicht drüber zu sagen. Ich hab' auch nen Opal gefunden, aber den irgendwo im Auto verloren. Steigert bestimmt den Wiederverkaufswert.

Nach ein paar Tagen dort, die eigentlich nur aus Essen, heisse Quellen und Lagerfeuer gegen die nächtliche Kälte und Schlangen bestanden, sind wir weitergefahren nach Queensland. Dort haben wir zwei Nächte am Nindingully Pub verbracht, dem ältesten Pub in Australien mit kostenlosen Duschen und 5,5kg Burgern.

Und dann sind wir wieder zurück nach Byron Bay gefahren, um uns mit Nico und Luigi, auch zwei Cronulla-Menschen, zu treffen, die die Küste hochhitchhiken.

Neben Rob hat der Campingplatz ein weiteres, riesiges Problem: Vögel. Wer Vögel nur aus Deutschland kennt, kann sich wahrscheinlich kaum vorstellen, was das für aggressive Drecksviecher sind. Wenn man also abends vergisst, eine Scheibe Toast wegzuräumen, wacht man am nächsten Morgen vom Geklopfe und Geschrei des Campingplatzwärters auf, weil auf einmal alles voll mit Vögeln ist, die sehr viel gefallen daran finden, die Müllsäcke taktisch auseinanderzunehmen und den Inhalt gleichmäßig auf unserer Wohnfläche zu verteilen. Ob es gerechtfertigt ist, zahlende Kunden deswegen anzuschreien dass sie sich verpissen sollen, ist eine andere Sache.

Dann sind wir wieder Richtung Sonne gefahren, und haben uns irgendwo im Wald drei Tage zu Kris gesellt, ein Australier, der dort mit seinem Hund Rocky lebt, weil er nicht mehr so gerne von der Polizei gesehen wird.

Und jetzt sind wir endlich an der Gold Coast angekommen und haben es keine zwei Stunden mehr nach Brisbane. Wo wir alle wieder arbeiten müssen, weil wir jetzt ziemlich pleite sind.

Achja: Irgendwo zwischen Outback und Byron Bay ist etwas seltsames passiert und jetzt hab' ich schlecht geschnittene Haare und Dreadlocks.

Bilderbilderbilder

Cheers!

 

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